Erkenntnisse der Loveparade Katastrophe

  • Niemand hat Schuld! Auf der am Sonntag ab 12 Uhr abgehaltenen Pressekonferenz (u. A. nTV und ARD übertrugen) warfen Duisburgs Bürgermeister Adolf Sauerland, Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe, Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller sowie Duisburgs Stellvertretender Polizeipräsident mit Ausreden um sich, dass es nur so in den Ohren klingelte. Am dreistesten war dabei Sauerland, der sogleich „individuelle Fehler“ für das Unglück verantwortlich machte, auf alle weiteren Fragen, etwa wie man die lange im Vorfeld publik gewordenen Warnungen, die Großveranstaltung nicht auf dem viel zu kleinen Bahnhofsgelände von Duisburg stattfinden zu lassen, aber nur mit Schweigen antwortete. Er kenne „die Fakten“ noch nicht. Bis auf die Tatsache natürlich, dass allein individuelles Versagen (der Einsatzkräfte?) als Ursache auszumachen sei. „Scheiße rollte eben immer den Berg hinunter, nicht hinauf“, wird sich Sauerland gedacht haben, der dann zum Glück bei seinem abendlichen PR-Besuch an der Unglücksstelle von einigen Trauernden so lange mit Müll beworfen wurde, bis er fluchtartig das Gelände verlassen musste. Ich meine: Ziegelsteine hätten es auch getan.
  • Bereitwillig, so Sauerland auf der PK, habe man (wohl aus gutem Willen und/oder Nächstenliebe) den Ermittlungsbehörden alle eigenen Unterlagen zur Loveparade „überlassen“. Auf deutsch übersetzt: Es gab eine Hausdurchsuchung im Duisburger Rathaus, was rein vom rechtlichen Gesichtspunkt betrachtet, schon eine recht deutliche Sprache spricht, wo unter anderem jene angesprochenen Ermittlungsbehörden einen der Hauptschuldigen vermuten.
  • „Es war keine Massenpanik!“ weiß stellv. Polizeipräsident Detlef von Schmeling. Diese etwas unsinnig anmutende Erkenntnis wird er ebenso exklusiv gewonnen haben, wie die Antwort auf die Frage, was das eigentlich zur Sache tut. Wer den Zynismus in von Schmelings Aussage findet, gewinnt eine Polizeiuniform der Stadt Duisburg.
  • „Es war eine gerechte Strafe Gottes!“ behauptet gar Johanns B. Kerners Busenfreundin Eva Hermann in ihrer irgendwo zwischen „anstößig“ und „ekelerregend“ rangierenden Diffamation der in Duisburg Verstorbenen. Die wichtige Erkenntnis hinter ihrem, von fortgeschrittenem Realitätsverlust zeugenden, Artikel ist allerdings eine andere. Frau Herman, die mittlerweile für den Kopp Verlag ihre Weisheiten zu Themen wie Mutterschutz, Autobahnen oder das jüngste Gericht publiziert, ist bei dem, für alle Arten von Extremismus und Fremdenfeindlichkeit bekannten, Unternehmen, endlich auf fruchtbarem Boden gelandet und darf die Bälle jetzt von ganz weit rechts außen in den Strafraum flanken. Ich gratuliere….nicht, da Frau Hermanns geschmacklose Rassismen wohl selbst dem neuen Arbeitgeber ein wenig zu weit an der Wahrheit vorbei gingen. Der Artikel ist mittlerweile gelöscht. Was wohl die nächste Karrierestation der Eva H. sein wird? Dynamo Dresden soll ja noch ein paar Hooligans suchen….
  • Es wird in Zukunft keine Loveparade mehr geben, so Rainer Schaller. „Aus Respekt vor den Opfern.“ Oder natürlich, weil das finanziell arg angeschlagene Festival spätestens seit dem Desaster in Duisburg bankrott sein dürfte. Zumindest war man, nachdem Schallers Fitnesskette Mc Fit, gleichzeitig Hauptsponsor der Tecnoparade, der Veranstaltung mit gut 3 Mio. Euro aushelfen musste, damit diese überhaupt finanzierbar war, ein beträchtliches Risiko eingegangen, um das Festival ein weiteres Mal vor dem Aus zu retten. Nur logisch erschien es da, dass man trotz aller warnenden Stimmen massiven Druck auf die Verantwortlichen der ebenfalls finanziell vor dem großen Nichts stehenden Stadt Duisburg ausübte, die aufgrund ihrer eigenen Situation wohl nur allzu gerne nachgaben. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“ war wohl das Motto dieses gemeinsamen finanziellen Selbstrettungsversuchs. Das Ergebnis ist bekannt.
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Eine Antwort to “Erkenntnisse der Loveparade Katastrophe”

  1. gedankentasche Says:

    Ja, das ist eine Sache, die einen nicht unberührt läßt. Menschenverachtung läuft nicht spurlos an den Mitmenschen vorbei, zum Glück.

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