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„Erwartungen erfüllt“…

Juli 22, 2010

…muss ich leider sagen. Ein Pamphlet.

Wer vor dem „Freundschaftsspiel“ der beiden türkischen Erzrivalen Galatasaray und Fenerbahce in Mönchengladbach eher gemischte Gefühle hatte, wurde am gestrigen Abend vollauf bestätigt. Spieler wurden mit Gegenständen beworfen, eine junge Frau trug schwere Verbrennungen durch einen Feuerwerkskörper davon; zeitweise stand das Spiel kurz vor dem Abbruch (nachzulesen unter anderem auf Goal.com, wo der weise Christoph Vogel von den Vorfällen berichtete).

Da fragt man sich unwillkürlich: Sind das noch Fans? Kann ich als Fußballfan solch einem Verein noch mit Sympathie begegnen? Wer die Berichterstattung deutscher Medien über Ausschreitungen gerade türkischer oder italienischer Fußballanhänger in den letzten Jahren verfolgt hat, kommt nicht umhin, zu bemerken, dass unsereins gerne mit den Fans von Fenerbahce oder Lazio Rom eine Spur kritischer umgeht, als mit den Schlägern von z.B. Hansa Rostock, die unlängst die halbe Düsseldorfer Innenstadt in Schutt und Asche legten. Dennoch fallen mir, wenn ich an den türkischen Ligakrösus denke, spontan mehrere Vorfälle ein, die ich, unabhängig von meiner Abneigung gegen Hansa bzw. Teile seiner Anhängerschaft, in aller Schärfe verurteilen muss. Der gestrige Abend ist da ein Beispiel, auch die unfassbaren Reaktionen auf die geplatzte Meisterschaft in der vergangenen Saison sowie die Ausschreitungen wiederum im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegen Waldhof Mannheim anno 2004 (um was ging es da noch gleich?!). Vitali Klitschko wird sich noch erinnern, trainiert er doch seitdem angeblich Volkan Demirels Schlagkombination gegen Waldhof Manager Gaudino.

Halten wir uns jedoch nicht mit unwichtigen Einzelfällen auf, sondern betrachten wir einmal nur das besagte Saisonfinale 2010. Da kauft man mit viel Geld eine recht schlagkräftige Truppe zusammen, mit der Ultras wie Neckermänner eigentlich hoch zufrieden sein dürften. Teure Talente versprechen attraktiven und mittelfristig erfolgreichen Fußball und die Bindung der Fans an ihren Verein scheint unter dem hohen Ausländeranteil des Teams nicht gelitten zu haben, wenn man dem glaubt, was Fener-Fans nur allzu gerne von ihrem Verein erzählen. Mit Christoph Daum wurde schließlich ein bei der Anhängerschaft bis dahin äußerst beliebter Trainer verpflichtet. Alles in Ordnung, im Staate Fener, möchte man sagen. Nun verpasst dieses vermeintliche Starensemble am letzten Spieltag auf spektakuläre Art und Weise die Meisterschaft und das nicht, weil der Stadionsprecher den falschen Spielstand ansagte. Mal ehrlich, wer das Spiel zumindest auszugsweise verfolgt hat, wird nicht leugnen können: Die Chancen hatten sie.

Nun gibt es aber diese Tage, wo der Ball einfach nicht rein will und in letzter Sekunde wird man dann doch überholt. Das ist tragisch, wie magisch, wenn man mich fragt, denn gerade diese verrückten Spiele machen den Fußball doch so interessant. Hätte die Anhängerschaft von Fenerbahce nur ansatzweise Charakter und Klasse bewiesen und sich dem tragischen Versagen ihrer Helden entsprechend verhalten, ein bisschen mehr vom Stolz der Fans von z.B. Leverkusen oder ja, ich gebe es zu, Schalke gezeigt – das Spiel wäre wohl in positiver Hinsicht unvergesslich geworden. Gerade die besonders bitteren Niederlagen sind es doch, die einen „guten“ Fan ausmachen. Kopf hängen lassen, weinen, Bier trinken, aufrappeln, weitermachen. Und dann den Kindern und Enkeln berichten: Ich war dabei, damals 2001, als wir dachten, wir sind Meister und dann geht der Schober mit der Hand an den Ball (ja, das musste ich jetzt sagen!). Was jedoch werden all jene ihrem Nachwuchs berichten, die nach dem Saisonfinale gegen Trabzonspor randalierten? „Gut, wir sind der reichste Klub der Türkei, waren in den letzten 10 Jahren 8 Mal unter den besten 2, aber nachdem wir diesmal nicht Meister geworden sind, musste wir leider das Stadion auseinandernehmen“?

Ja, ich mache die Reaktionen der Fans nach einem solchen Drama zur Charakterfrage, ja ich werde polemisch und ja, ich schließe von mir auf andere. Was sollen die Schalker und Leverkusener sagen, ob all der vergeigten Chancen zur Meisterschaft? Was die Bochumer zu den ständigen Auf- und Abstiegen ihrer Mannschaft? Was ist mit all denen, deren Verein vor dem finanziellen Aus steht?

Wut, Frust, Enttäuschung sind jedem echten Fan gut bekannt. Sie mit Würde und Anstand zu ertragen jedoch, das macht den (mAn) „wahren“ Fan aus. Sicher, ich erwähnte es eingangs, auch deutsche Fußballfans sind z.T. mit großer Vorsicht zu genießen, aber es gibt einen Unterschied zwischen Kategorie B und C Fans und einem ganzen Stadion, dass sich plötzlich in einen wilden Mob verwandelt. Wegen einer knapp vergebenen Meisterschaft?! Bitte! Wenn sie sang- und klanglos 12. geworden wären, dann hätte ich das ja noch halbwegs verstehen können. Aber so ein tragischer Fight, den man am Ende durch eigene Dummheit und viel, viel Pech verliert – das hat doch auch etwas Heroisches! Oder besser: Hätte haben können.

Sahen die Fans von Fenerbahce wohl anders. Nur gut, dass der Verein in FIFA Fußball Manager 2011 – Manier zu kommenden Saison wieder (gefühlt) jedes ausländische Talent gekauft hat, das mit Geld und gutem Willen zu einem Wechsel zu bewegen war. So diskutiert der internetaffine Teil der Anhängerschaft schon seit Wochen wieder ausschließlich darüber, wer wohl als nächstes geholt wird. Ronaldinho, Hazard, gar Dolph Lundgren himself?! Ich kann nur hoffen, dass man in diesem Jahr mit 18 Punkten Abstand zum Zweitplatzierten die Liga als Meister abschließt, sonst geht wohl eine Atombombe im Stadion hoch.

Auch wenn ich diesen überladenen Begriff zutiefst verabscheue, aber Fanehre sieht für mich anders aus. Bitte schämen.

Uhaha

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