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Rezension einer Rezension: Inception

August 6, 2010

Zunächst mal das Wesentliche: Inception ist ein großartiger Film, den es sich zu sehen lohnt. Vielmehr noch ist der Kinobesuch hier sogar ein Muss, traue ich doch keinem noch so großen HD Ready Plasma XXL Fernseher mit eingebautem Warpantrieb zu, die Atmosphäre dieses Blockbusters (im besten Sinne!) angemessen auf seine Zuschauer zu übertragen. Also ins Kino fahren, anschauen. Los!

Der Titel „Rezension einer Rezension“ ist indes keine Anspielung auf den Film, sondern weist darauf hin, dass ich hier vielmehr die Kritik eines anderen bewerte. Einige werden ja die 5 Filmfreunde kennen. Diejenigen werden auch wissen, dass besagte 5 Filmfreunde zwar einen sehr coolen, durchaus lesenswerten Blog betreiben, jedoch auch dafür bekannt sind, gefühlte 80% aller Film zu verreißen. Dies war bei Inception zwar nicht der Fall, allerdings fiel mir Batzmans Bewertung dann doch etwas zu niedrig aus, zumal der eigentlich durchweg negative, teils etwas herablassend anmutende Tonfall der Review sogar auf weniger, als die vergebenen 3,5 von 5 Punkten hindeutet.
Als ich den Text das erste Mal überflog, war ich mir sicher: Den hat Jet Strajker geschrieben (der sich für gefühlte 95% der 80% Verrissqoute des Quintetts verantwortlich zeichnet – so und jetzt nachrechnen, wieviel von den 100% der Filme ist!^^). Dem guten Strajker hat, glaube ich, erst ein Film vorbehaltlos gefallen, den er jemals gesehen hat (Synecdoche New York, der mir gerade aus meinem DVD Regal vorwurfsvolle Blicke zuwirft, während ich diese Zeilen schreibe). Diesen Film halte ich zwar nicht für ein „Meisterwerk“, jedoch spielt das hier keine Rolle, denn der gute Mann schreibt wohl keine lobenden Rezensionen (an dieser Stelle ganz deutlich: Eine Review wäre doch mal nett, der Herr, zumal den Film nicht jeder verstanden haben dürfte). Ich drifte ab.

Was mich gleich zu Beginn der Review des geschätzten Batzman wunderte, war sein unnachgiebiges Beharren auf eine Verortung Inceptions im „Heist Genre“. Der Film ist doch so viel mehr, z. B. ein waschechter Science Fiction Streifen, auch wenn man ihm das nicht an allen Ecken und Enden anmerkt (was ich als sehr angenehm empfand, Techbabble über das „In-Träume-Eindringen“ zum Beispiel, hätte wirklich niemand gebraucht; ein spitzen Schachzug von Christopher Nolan, genau diese Art von ermüdendem Genregefasel komplett hinten runter fallen zu lassen). So fand ich es dann reichlich unpassend, die „heistüblich Gelassenheit“ (ich musste sofort an die gleichnamige Serie denken) von einem Film einzufordern, dessen Grundton nun einmal alles andere als „gelassen“ ist und der sich damit auch keinen Gefallen täte. Die enorme Spannung, die Inception spätestens ab dem Eindringen in die erste Traumebene entwickelt, lebt (für mich) vor allem von eben dieser Ernsthaftigkeit der Vorkommnisse sowie vor allem der möglichen Konsequenzen. Auch nur eine Nuance mehr Ocean’s Eleven, als es Tom Hardys natürlicher Spitzbubencharme ist, würde das Konzept des Films ad absurdum führen. Von der einzigen zentralen Figur, Cobb, einzufordern, er solle „Spaß an der Sache haben“, passt da genau so wenig, da es für ebendiesen ja von Beginn an um die sprichwörtliche Wurst geht.

Doch kommen wir zum Hauptpunkt meiner Kritik, ich zitiere den guten Batzman mal und hoffe, damit nicht gegen Urherberrechte zu verstoßen: Was dem Film fehlt ist Drive und wirkliche Spannung, was vor allem an den extrem blassen Charakteren liegt, von denen keiner eine echte eigentliche Persönlichkeit hat, die über das hinausgeht was die allesamt sehr talentierten Darsteller ihnen mitgeben können. Ab hier entzieht sich meinem Verständnis, was der Rezensent genau von dem Film sehen möchte. Zunächst wäre es bei einem Esemble-Heist Flick (und ein Ensemble haben wir hier durchaus) ebenso unüblich, besonders tiefe Charaktere zu basteln, wie die Einforderung dessen bei Inception am Thema vorbei geht. Des Weiteren bringt Di Caprios (zentrale!) Figur alles Nötige mit, um der Handlung den nötigen Drive zu geben, geht es für sie doch, wie gesagt, um so einiges. Tiefer muss Cobbs Konflikt für mich dann auch nicht gehen, was zählt, ist einzig, ob man ihn ernst nimmt und das ist denke ich durchaus gegeben, wir sehen hier schließlich keine Charakterstudie! Dem Rest der Bande mehr von ebendiesem Charakter zu geben, hätte Inception (Batzman mahnt ja seine angebliche Langatmigkeit in der ersten Hälfte selbst an) unnötig gedehnt und seine Dramaturgie versaut, denke ich. Zudem füllen die hervorragenden Akteure ihre Figuren mit einer Menge Seele, so reichen beispielsweise Ellen Pages Bemühungen um Di Caprio oder die kleinen Geplänkel zwischen Joseph Gordon-Levitt und Tom Hardy völlig aus, um diesen Figuren mehr Leben einzuhauchen, als dass der Zuschauer ihr Ableben gerne hinnähme. Mehr noch, das Ganoven Team erwächst durch diese wenigen, zugegeben, kurzen Momente, zu einer homogenen Einheit, deren mögliches Scheitern spätestens, wenn sich die Ereignisse zu überschlagen beginnen, wie ein drohender Dolch über dem Geschehen schwebt.
Oder mit anderen Worten: Wenn Inception nicht spannend ist, was dann? Ich für meinen Teil war irgendwann zwischen erster Traumebene und Schwerelosigkeit im Hotel förmlich in meinen Sitz gepresst und zum ersten Mal seit langer, langer Zeit stellt sich bei mir während eines Kinofilms dieses „Mir bleibt die Spucke weg“-Gefühl ein. Zu intensiv war das gerade Gesehene….und Gehörte! Auch hier möge mir Batzman verzeihen, aber Hans Zimmers Soundtrack passt auf diesen Film, wie die Faust aufs Auge. Dass eine dröhnende, leicht monotone musikalische Begleitung nicht per se etwas Schlechtes sein muss, sollte seit „There Will Be Blood“ jedem klar sein, dachte ich. Gerade auf Kinolautstärke trug die Filmmusik (bei mir) doch beträchtlich zu Intensivierung der drückenden Atmosphäre des Films bei. Da pubertär-patzig von „Blubbern und Hornpupsen“ zu sprechen lässt etwas den nötigen Stil vermissen, denn Geschmack hin oder her, so mies, dass er derart verunglimpft werden müsste, ist der Soundtrack nun wirklich nicht. Und ja, mir ist der lockere Schreibstil der 5 Freunde durchaus bekannt, leider wirkt er an dieser, wie manch einer anderen Stelle dier besagten Review etwas deplatziert. Was nicht heißen soll, dass ich ihn nicht (generell) schätze!

Fazit: Inception funktioniert als Blockbuster besser, als (fast) alles, was ich in den letzten Jahren gesehen habe (Ausnahme: The Dark Night, der bezeichnenderweise vom selben Regisseur ist). Der Film bewegt sich klar in seinem Element, will nicht mehr sein, als er ist, ist jedoch im Rahmen dieser „Limitierung“ nahe an der Perfektion. Mein einziger Kritikpunkt ist das (den Gesetzen des Inception-Universums nach) etwas unlogische Ende, das ich ehrlich gesagt aber nicht anders erwartet hatte. Ohne zu viel zu verraten, aber bei all den Gesprächen über Realität und Traumwelt wird es dem Zuschauer hier recht leicht gemacht, zu erraten, was kommt. Das nimmt dem Film jedoch auch nicht wirklich etwas von seiner Spannung, so!

Die 5 Filmfreunde lege ich natürlich dennoch jedem Filmfan wärmstens ans Herz, ich kenne auf dem Gebiet in Deutschland keine konkurrenzfähige Seite, was die Qualität betrifft. Wenn jetzt noch Strajker „Synecdoche, New York“ reviewt, backe ich den Jungs sogar mal einen Kuchen.

Uhaha